Mehr Licht auf dem Weg zum Campus

Gemeinsames Projekt von Stadt, Westfälischer Hochschule und der ELE beseitigt Angsträume und verspricht neue Erkenntnisse zu zeitgemäßer Straßenbeleuchtung.

Mit einer Teststrecke für moderne Straßenbeleuchtung an der Neidenburger Straße haben die Stadt Gelsenkirchen, die Emscher Lippe Energie (ELE) und die Westfälische Hochschule (WH) in Gelsenkirchen gemeinsam ein Projekt auf den Weg gebracht, das im ersten Schritt Angsträume beseitigt, zugleich aber viele Chancen bietet, neue Ideen und Techniken im Bereich der Straßenbeleuchtung im Praxiseinsatz zu testen. Heute gaben Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und ELE-Geschäftsführer Ulrich Köllmann gemeinsam mit Prof. Dr. Kurt Weichler, Vizepräsident der WH, und Prof. Dr.-Ing. Karin Kückelhaus, Mitglied des Westfälischen Energieinstitutes (WEI) und Leiterin des Lichttechnischen Labors an der WH, den offiziellen Startschuss zu dem Projekt. 

Auf dem Weg zum Auto muss nun niemand mehr ein mulmiges Gefühl haben. Der Weg von den Fakultätsgebäuden zum Parkplatz an der Neidenburger Straße erstrahlt im Licht moderner LED-Leuchten. In der Vergangenheit wurde der Fußweg als sogenannter „Angstraum“ empfunden, weil bei Dunkelheit Licht auf dem Gehweg fehlte. Der Grund: Ein drei Meter breiter Grünstreifen trennt Straße und Bürgersteig voneinander. Was bei Tageslicht ein schöner Anblick und ein Sicherheitsplus für Fußgänger und Radfahrer ist, wurde im Dunkeln zum Problem, da der Lichtkegel der alten Straßenlaternen nur nach vorne auf die Fahrbahn strahlte. Dieses Manko ist nun durch den Einsatz neuer Leuchten behoben worden. Zusätzlich zur modernen LED-Technik, die aus der gleichen Menge Energie viel mehr Licht erzeugt, wurden zusätzliche Spiegel an den Lampenköpfen installiert, um so auch die Gehwege ausleuchten zu können. Zwischen 22 Uhr am Abend und 5 Uhr in der Frühe wird die Straßenbeleuchtung in diesem Bereich allerdings ausgeschaltet. 

„Speziell die Ausleuchtung der Gehwege ist für alle Studierenden der WH Gelsenkirchen ein echter Fortschritt“, betont der Vizepräsident der WH, Prof. Dr. Kurt Weichler. „Denn im Winterhalbjahr war der Weg von den Gebäuden bis zum Parkplatz wirklich immer sehr dunkel. Umso besser ist es aber doch, dass aus der Lösung eines ursprünglich eher kleinen Problems eine langfristige Zusammenarbeit mit ganz viel Bezug zur Praxis entsteht. Davon profitieren wir als Hochschule: Mit jeder weiteren Kooperation dieser Art wird unser Netzwerk hier in der Stadt und der Region stärker.“ 

Als Eigentümerin der Straßenbeleuchtungsanlagen will die Stadt Gelsenkirchen Angsträume im Stadtgebiet durch den Einsatz moderner Beleuchtungskonzepte und entsprechender Lichttechnik beseitigen. Das ist an dieser Stelle sehr gut gelungen. Zusätzlich freut sich Oberbürgermeister Frank Baranowski besonders über die Zukunftsperspektive des Projektes: „Natürlich haben wir ein großes Interesse daran, im Bereich der Straßenbeleuchtung jederzeit auf dem Laufenden zu bleiben. Deshalb freuen wir uns über diese Zusammenarbeit. Von der Ergebnissen wollen wir nicht nur hier an der Hochschule profitieren, sondern auch an anderen Stellen in der Stadt.“ 

 „Die Dreier-Konstellation ist für unser aktuelles Projekt aus mindestens zwei Gründen ideal“, ergänzt ELE-Geschäftsführer Ulrich Köllmann. „Zum einen ergänzen sich die Partner sehr gut, zum anderen ist dieser Teil der Neidenburger Straße für einen solchen Test perfekt geeignet.“ 

Schon jetzt zeigen sich Studenten und Projektverantwortliche gleichermaßen zufrieden mit den ersten Ergebnissen. Auf der rund 400 Meter langen Strecke haben die Techniker der ELE-Tochter EVNG in den vergangenen Monaten insgesamt 18 LED-Leuchten installiert – sieben unterschiedliche Modelle von vier verschiedenen Herstellern. Für die Westfälische Hochschule dient die LED-Strecke in unmittelbarer Nähe zum Campus nämlich nicht nur der Sicherheit, sondern auch noch einem anderen Zweck. Sie ermöglicht den Studierenden, die Leuchten unter realistischen Bedingungen zu testen. Die effizienten Leuchten gehen sehr sparsam mit Energie um – die Details dazu will das lichttechnische Labor der Westfälischen Hochschule in den nächsten Jahren konkret untersuchen. Darüber hinaus liefert die Teststrecke für künftige Planungen wertvolle Erkenntnisse über Lebensdauer, Wartungsintervalle und weitere Besonderheiten der verschiedenen Leuchten. 

Aber die Planungen der WH gehen noch einen Schritt weiter: „Wir möchten hier natürlich auch testen, was es bringt und wie es gelingt, die Straßenbeleuchtung ‚smart‘ zu machen“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Karin Kückelhaus. „Das fängt beim richtigen Einsatz von Bewegungsmeldern an und geht bis zu ‚light on demand‘ und der Steuerung über eine Smartphone-App.“ Und was die Zukunft noch bringt – die Projektbeteiligten können es nur ahnen. Das Projekt ist zunächst auf einen Zeitraum von zehn Jahren ausgelegt. „Wir werden zwischendurch die Leuchten wechseln, es kommen ja immer wieder neue Modelle auf den Markt“, sagt Heike Watzlaw, verantwortlich für den Betrieb des Strom- und Straßenbeleuchtungsnetzes bei der ELE Verteilnetz (EVNG). „Und auch die Hersteller haben bereits signalisiert, dass Sie an den Ergebnissen unserer Tests sehr interessiert sind.“

Unterdessen haben die Studenten im Fachbereich Elektrotechnik und Beleuchtungssysteme ihre Arbeit längst aufgenommen, sie beobachten, untersuchen und messen alles rund um die LED-Teststrecke. So zum Beispiel Pascal Blecker, der gerade mit seiner Masterarbeit beschäftigt ist. Er hat sich im Rahmen einer Projektarbeit vor allem die drei Leuchten angeschaut, die nun durch zusätzliche Spiegel den Gehweg ausleuchten. „Mit den vor Ort aufgenommenen Messwerten und einer darauf aufbauenden Computersimulation konnte ich den enormen Mehrwert im Bereich zwischen der Parkplatzeinfahrt und dem Hochschuleingang nachweisen und beschreiben. Von den LED-Leuchten mit rückwärtigem Lichtanteil profitieren insbesondere Radfahrer und Fußgänger, aber natürlich auch die Autofahrer auf dem Weg zu ihrem Fahrzeug.“

 

 

 

 

 

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