2.500 Kilometer auf dem Tacho

HRW und ELE beenden Forschungsprojekt mit Elektrorollern

Unter dem Titel „Umweltbewusste Elektromobilität“ starteten die Hochschule Ruhr West (HRW) und die Emscher Lippe Energie (ELE) zum Wintersemester 2010/2011 gemeinsam ein Forschungsprojekt, das unter anderem Kosten, Nutzen und Reichweite von Elektrorollern untersuchen sollte. Dazu stellte ELE der HRW fünf Elektroroller zur Verfügung. Die Studierenden am HRW Campus in Bottrop konnten sich bewerben, um je einen der Roller ein halbes Jahr lang zu testen. Drei Jahre und 2.500 Kilometer später liegen jetzt die Ergebnisse vor.

Auf dem Prüfstand standen insgesamt fünf Roller der Marke „GECO2“ des süddeutschen Herstellers GUF. Zwei der fünf Roller waren mit Lithium-Polymer-Akkus ausgestattet, die anderen drei mit Blei-Vlies-Akkus. Die Testfahrer überprüften im Rahmen der Feldstudie die Herstellerangaben. Gesammelt wurden dazu schwerpunktmäßig Daten und Angaben zu Umweltverträglichkeit, Betriebs-, Wartungs- und Energiekosten sowie zu Ladeverhalten und Praxistauglichkeit.


Punkten konnten die E-Roller vor allem beim Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Der durchschnittliche Energieverbrauch lag bei 4,5 kWh/100 km. Auch die kleinen Schwachstellen der Roller, vom klemmenden Helmfach bis zur stockenden Tachonadel, blieben in der Testphase nicht unentdeckt. Dass an der Technik hier und da noch gefeilt werden muss, bestätigt HRW Student und Testfahrer Bastian Kügler: „Probleme hatte ich vor allem bei der Einschätzung der Akkukapazität. Die Ladeanzeige am Roller zeigte nur die elektrische Spannung der Akkus an, die bei Belastung stark abfallen kann und somit keine verlässliche Aussage über den Ladezustand hergibt.“


Forschungsarbeit – das hat auch dieser Praxistest gezeigt – erfordern außerdem die Akkus. Benno Möller hat das Projekt bei der ELE betreut und erklärt dazu: „Bei E-Rollern wie auch in anderen Bereichen der Elektromobilität sind die Energiespeicher ein zentrales Element der Forschung, insofern war es nicht überraschend, dass sich ausgerechnet hier in unserem Test Schwachstellen zeigten. Allerdings ist die Entwicklung in diesem Bereich inzwischen so deutlich vorangeschritten, dass man sich bereits heute technisch auf einem ganz anderen Level bewegt als noch zu Projektbeginn vor drei Jahren.“


Bei den getesteten Rollern mussten so auch bereits zu Beginn des Feldversuches zwei der Akkus aufgrund eines technischen Defekts ausgetauscht werden. Außerdem haben sich die Kapazität der Akkus und damit die Reichweite der Roller in den drei Jahren reduziert. Dies konnte jedoch durch eine kürzere Taktung der Ladyzyklen ausgeglichen werden. Robin Hoffmann, Projektteilnehmer und Student an der HRW: „Bei Wegstrecken unter 15 Kilometern konnten wir ohne Probleme die Hin- und Rückfahrt zwischen der Hochschule und unserem Wohnort mit einer Akkuladung zurücklegen. Bei weiterer Entfernung mussten wir die Akkus an der heimischen Steckdose nachladen.“


Insgesamt zeigen sich alle Projektbeteiligten mit den Ergebnissen zufrieden. „Die Nutzer haben die Technologie Elektroantrieb positiv angenommen. Besonders die Beschleunigung sowie die geräusch- und emissionslose Fortbewegung wurden gelobt“, zeichnet Prof. Gerd Bittner, Projektleiter an der HRW, ein positives Feedback. „Der Praxistest mit den Elektrorollern bestätigte die Umweltfreundlichkeit der Fahrzeuge und auch die vergleichsweise günstigen Unterhaltskosten. Der Benzinpreis ist in den vergangenen drei Jahren stark angestiegen, der Strompreis dagegen stieg – in Relation gesehen – moderat an. Allein aus diesem Grund könnten Elektroroller für viele Berufspendler im Ruhrgebiet eine sehr interessante Alternative zum Auto werden.“

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